Waldpflege

1. Besondere Situation des Kleinprivatwaldes

Am wichtigsten ist die derzeit Fichtenwälder in ganz Deutschland bedrohende Kalamität (= Schadereignis) durch Borkenkäfer, v.a. Buchdrucker und Kupferstecher. Überall sieht man jetzt Käferbefall (die Kronen verlieren Ihre Nadeln und verfärben sich rötlich). Die Käfer haben mindestens 3 Generationen schon hinter sich gebracht (normal sind eine bis zwei), ich vermute, dass gerade die 4. Generation entsteht... Gleichzeitig ist der Fichten-Holzmarkt vollständig gesättigt (eigentlich übersättigt), bei der Käferbekämpfung anfallendes Fichten-Sägeholz ist entweder gar nicht oder nur noch zu schlechten Preisen (fast auf Industrieholzniveau) abzusetzen. Und es mangelt an Aufarbeitungs- und Transportkapazität.

Was kann man derzeit tun?

Möglichst schnell (in den nächsten 3 Wochen) alle frisch befallenen Bäume (wo sich gerade die Brut entwickelt, im Extremfall bis zu 30.000 Käfer/Baum!) fällen, aufarbeiten und die Brut vernichten; das geht z.B. durch Entrinden auf Unterlagen, einsammeln der Rinde in Säcken, diese mehrere Tage zu in die Sonnen stellen (sehr aufwändig und bei größerem Befall wohl nicht praktikabel) oder durch Begiften mit einem zugelassenen Mittel (Fastac Forst oder Karate, Sachkunde erforderlich). Hierdurch wir der Neubefall im Frühjahr deutlich vermindert, da sich die fertigen Käfer sonst in hoher Zahl ausbohren und zum Überwintern in die Nadelstreu zurückziehen würden, um dann im Frühjahr wieder "loszulegen".

Wie ist nun die Lage in Hattingen und Sprockhövel?

  • Ich schätze einen Käferholzanfall von mindestens 1.500 fm , verteilt auf ganz viele Bestände (bestimmt 40 bis 50, wahrscheinlich aber noch deutlich mehr, wenn man Kleinstbefall mit einzelnen Bäumen auch berücksichtigt)
  • Die Vermarktungsmöglichkeiten sind derzeit erschöpft, ob sich für das bei der Käferbekämpfung anfallende Holz überhaupt eine Vermarktungsmöglichkeit ergibt, kann derzeit nicht seriös prognostiziert werden (von Preisen ganz zu schweigen).
  • Die ersten Bekämpfungen laufen, die örtlich zur Verfügung stehenden Forstunternehmen sind ausgelastet.
  • Eine Firma, die Polterbegiftungen durchführt, steht zur Verfügung.
  • Und der Förster hat noch lange nicht jeden Befall überhaupt gesehen, geschweige denn erfasst (falls Sie rote Striche an Ihren Fichten finden, nicht wundern, dass sind Käferbäume, die von mir bei der Besichtigung des Schadens gleich markiert wurden), und auch noch nicht mit jedem Waldbesitzer gesprochen, bei dem er Befall festgestellt hat...

Übrigens hat mich noch kein Waldbesitzer darauf hingewiesen, dass er braune Fichten hat, und mal nachgefragt, was das bedeutet...

Es wird mit Sicherheit nicht möglich sein, alle Befallsstellen vor Ausflug der Käfer erfolgreich zu bekämpfen, dafür sind es zu viele, die Gesamtlage ist zu schlecht und das Zeitfenster zu eng. Aber jede erfolgreich durchgeführte Käferbekämpfung ist ein Gewinn und kann vielleicht lokal die noch vorhandenen Fichtenbestände "retten"...

Deshalb meine Bitte: Wer bei Borkenkäferbefall daran interessiert ist, kurzfristig eine Bekämpfungsmaßnahme durchführen zu lassen, der melde sich bitte bei mir, ich kann zwar aufgrund der knappen Ressourcen nichts versprechen, aber vielleicht findet sich ja noch eine Lösung.

2. Laubverlust/"vorgezogener Herbst"

Viele Laubbäume, v.a. Buchen auf trockeneren Standorten, haben aufgrund von Wasserstress vorzeitig ihr Laub abgeworfen. Es steht zu befürchten, dass das nicht alle Bäume überleben werden. Das wird man aber erst im Frühjahr sehen, wenn diese Bäume nicht mehr austreiben. Hierdurch kann es v.a. bei Beständen neben Straßen, Häusern etc... zu Problemen mit der Verkehrssicherheit kommen. Ich empfehle daher allen Waldbesitzern mit Buchenbeständen in entsprechender Lage, eine Kontrolle im Frühjahr durchzuführen und ggfls. zu handeln.

  • Thomas Jansen
  • FBG Hattingen

Waldschutz - Infomeldung Nr. 7 / 2018 vom 11.11.2018

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Ablaufschema zur Borkenkäferbekämpfung im Spätherbst und Winter

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