Beförsterung
Arbeitsbericht des Forstbetriebsbezirks Hattingen
Informationen für die Waldbesitzer der FBG Hattingen-Sprockhövel
Verehrte Mitglieder der FBG Hattingen-Sprockhövel,
als Ergänzung zur diesjährigen Jahreshauptversammlung am 03.08. und zu meinem Arbeitsbericht „in Zahlen“ möchte ich Sie auch in diesem Jahr wieder hiermit über alles Wichtige um den Wald informieren.
Arbeitsbericht für das Jahr 2020
Meinen Zahlenspiegel, den ich auch in der Versammlung vortragen werde, füge ich diesem Schreiben bei.
Witterung in 2021 und 2022
Im letzten Jahr schrieb ich:
„Glücklicherweise hatten wir ein recht nasses, eher kühles Jahr (gemeint war 2021). Die Wasserversorgung des Oberbodens war sehr gut, die Forstkulturen sind ganz hervorragend angewachsen. Wie weit aber die Feuchtigkeit wieder in die Tiefen der Böden vorgedrungen ist, und ob der „Normalzustand“ vor den letzten 3 Dürrejahren schon wieder erreicht ist, da bin ich mir nicht sicher.“
Inzwischen weiß man, dass landesweit in den tieferen Bodenschichten immer noch viel zu wenig Wasser vorhanden ist, und viele Teile Deutschlands und von NRW leiden auch jetzt schon weder unter einer längeren akuten Dürrephase. Bei uns hat es glücklicherweise immer wieder geregnet, und die große lange Hitze ist ja bisher ausgeblieben. Die letztjährigen Forstkulturen haben sich so wie gehofft entwickelt, und auch die meisten aus diesem Frühjahr sind sehr gut angewachsen. Eine Ausnahme ist ein voll besonnter Südhang, der mit Douglasie-Buche bepflanzt wurde. Diese Kultur tut sich durchaus schwer, witterungsbedingte Ausfälle sind hier bereits eingetreten und auch zukünftig zu erwarten.
Inwieweit sich das Problem der Trockenheit in den tieferen Bodenschichten in diesem Jahr noch auswirken wird, hängt vor allem davon ab, ob es weiterhin regelmäßig regnet und ob wir noch eine längere Hitzeperiode bekommen werden. Reserven gibt es jedenfalls in den tieferen Bodenschichten nicht!
Buchensterben/Borkenkäfer/Flut
Zum Buchensterben schrieb ich Ihnen in 2020
„Inzwischen auch deutlich zu sehen, und, ich befürchte, für unsere Region weitaus bedeutsamer (als der Borkenkäfer), ist, dass unsere Altbuchenwälder ebenfalls erhebliche Probleme haben (Trockenheit + versch. Käfer + versch. Pilze) und es schon zu vielen Ausfällen gekommen ist (von einzeln bis flächig). Ich schätze die Schadholzmenge bei der Buche schon höher ein als die der Fichte. Es waren schon verschiedene Abtriebe aus Verkehrssicherungsgründen erforderlich, ich rechne hier mit einem starken Anstieg. Bitte schauen Sie mal gründlich in Ihre Altbuchenbestände, gerade wenn Ihre Buchenbestände an Straßen oder Bebauung grenzen. Ich befürchte auch, dass viele plötzlich freistehenden Buchen (weil der Nachbarbaum abgestorben ist oder aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden musste) das nicht überleben werden und in Folge ebenfalls absterben, da ihr derzeitiger Zustand nach 2 Jahren extremem Wasserstress sie so geschwächt hat, dass sie sich an die Freistellung nicht mehr gewöhnen können…“
Und 2021 ergänzte ich dazu:
„Das hat sich leider bestätigt und ist noch deutlich schlimmer geworden, ich schätze derzeit mindestens 40.000 (!) fm Schadholz…“
Das gilt alles immer noch. Es wurden inzwischen weitere Kalamitätshiebe durchgeführt (alleine in 2022 deutlich über 2.000 fm). Wenn Sie solche Bestände haben, und etwas tun wollen, sprechen Sie mich möglichst zeitnah an, gute Firmen sind rar und ziemlich ausgelastet!
Der Borkenkäfer ist natürlich immer noch da, die meisten Fichtenbestände sind aber „aufgefressen“. Allerdings gibt aber tatsächlich immer noch grüne Fichten, die er noch nicht gefunden hat. Mal schauen, ob diese noch grün ins nächste Jahr gehen…
Ein Großteil der Käferbestände wurde aufgearbeitet, inzwischen bleiben hierbei (natürlich abhängig von der „Frische“ des Holzes) wieder spürbare Erlöse übrig. Aktuell ist noch einmal ein Harvestereinsatz in den nächsten Monaten geplant, hierbei sollen etwa 2.000 fm Nadelholz eingeschlagen werden. Falls Sie noch „Bedarf haben“, sprechen Sie mich möglichst bald an, dann könnte ich versuchen, Sie noch „mit unterzubringen“ (wobei die Gesamtmenge endlich ist, die Folgeaufträge stehen auch schon an…)
Erwähnen möchte ich der Vollständigkeit halber die Flut, die glücklicherweise in meinem FBB im Wald bzw. an den Waldwegen kaum Schaden angerichtet hat (das sieht in meinem Nachbar-FBB schon ganz anders aus).
Forstliche Förderung
Hier gibt es zu 2021 2 deutliche Änderungen im Zusammenhang mit der Extremwetterrichtlinie:
1. Die Aufarbeitungshilfe für Nadelkalamitätsholz wird nur noch in besonders begründeten Ausnahmefällen bewilligt, es gibt also grundsätzlich keine Förderung für die Aufarbeitung von Käferholz mehr. Dadurch, dass der Nadelholzmarkt sich spürbar erholt hat, fallen hier wieder Erlöse an, damit ist der Fördergrund weggefallen
2. Wiederaufforstung
Hier gibt es zum ersten Mal eine Förderung nach Flächengröße und nicht mehr pro Pflanze. In dem Fördersatz pro ha ist neben der Pflanzung an sich z.B. auch ev. erforderlicher Wildschutz, erforderliche Pflegemaßnahmen (mindestens 2 sind Zuwendungsvoraussetzung) sowie erforderliche Nachbesserungen enthalten (Ausnahme: witterungsbedingter Ausfall > 50 %, hier kann erneut Förderung beantragt werden). Der Fördersatz pro ha ist vom ausgewählten sog. Waldentwicklungstyp (WET, entnommen aus dem Waldbaukonzept NRW, zu finden unter waldinfo.nrw) abhängig. Der ausgewählte WET muss als Fördervoraussetzung zum Standort passen (was natürlich sinnvoll ist).
2 Empfehlungen von mir:
- Wer eine Pflanzmaßnahme plant, v. a., wenn er Fördermittel beantragen möchte, kann mich natürlich jederzeit gerne ansprechen.
- Zusätzlich ist es sinnvoll, sich waldinfo.nrw mal anzuschauen. Da finden Sie z.B. das Waldbaukonzept, können sich aber auch für den aufzuforstenden Bestand konkrete WET-Empfehlungen geben lassen. Es werden für 3 Klimaszenarien Vorschläge gemacht, man kann wählen zwischen dem Klima, wie es jetzt ist, mäßiger oder starker Klimaerwärmung. Tipp: Bitte mindestens mäßige Klimaerwärmung auswählen.
Forsteinrichtung
Die Forsteinrichtung wurde abgeschlossen, das Gesamtwerk ist an die Forstbetriebsgemeinschaft ausgeliefert. Das Werk hat nach meiner Einschätzung eine sehr hohe Qualität, die Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro Leonhardt lief reibungslos und vorbildlich.
Ich zitiere noch mal einen Absatz meines letztjährigen Berichts:
„Abschließend schon mal ein Hinweis: Die Forsteinrichtung wird nur für die FBG Hattingen-Sprockhövel durchgeführt. Wenn Sie für Ihren Wald ein separates Betriebswerk haben möchten (was ich grundsätzlich für empfehlenswert halte), müssen Sie das beim Einrichtungsbüro direkt in Auftrag geben (Die Kosten hierzu sind moderat, am besten vor der Beauftragung beim Einrichtungsbüro anfragen).“
Wer das bisher noch nicht gemacht hat, aber Interesse an einem solchen Werk hat, der sollte sich umgehend mit dem Planungsbüro Leonhardt in Verbindung setzten.
Direkte Förderung
… oder: Das Wichtigste zum Schluss…
Ich schrieb 2021:
„Die Umstellung auf die direkte Förderung, die in Kürze folgen wird, stellt für den Vorstand der FBG, für alle Waldbesitzer (und natürlich auch, vermutlich sogar vor allem, für den Sie betreuenden Förster J) eine enorme Herausforderung dar. Alle Beteiligten werden sich erst einarbeiten und zurechtfinden müssen, bis das reibungslos klappt. Ich möchte an dieser Stelle dem FBG-Vorstand aber nicht vorgreifen und mich hierzu nicht weiter äußern (wenn gewünscht, sage gerne in der Versammlung etwas dazu und/oder schreibe zu einem späteren Zeitpunkt noch etwas). Eine persönliche Bemerkung möchte ich aber dazu doch noch machen: Ihr Vorstand ist fest entschlossen, diese Herausforderung zu stemmen, ich finde, Sie sind derzeit „in richtig guten Händen“.
Jedenfalls wünsche ich Ihnen allen einen erfolgreichen „Umstieg“ und hoffe weiter auf gute und erfolgreiche Zusammenarbeit!“
Seit dem 1.1.2022 „arbeiten Sie/wir mit Direkter Förderung“. Für mich sehr erfreulich: Der Landesbetrieb Wald und Holz hat den Zuschlag als Dienstleister bekommen (sonst würde ich Ihnen das ja gar nicht mehr schreiben), ich bleibe Ihnen also erst mal noch ein paar Jahre erhalten J.
Die Zeit vor dem Zuschlag war eine sehr arbeitsreiche, nervenaufreibende Zeit mit „Sand im Getriebe“ und zeitweise mehr Fragen als Antworten…
Aber lassen Sie uns gemeinsam nach vorne schauen, weiter geht’s!
Natürlich läuft immer noch nicht alles rund, und immer wieder taucht ein Problemchen oder auch ein ausgewachsenes Problem auf, was vorher keiner so recht auf dem Schirm hatte, und was es dann zu klären gilt, aber bisher wurde vieles „gewuppt“, und wo das noch nicht erreicht wurde, arbeitet „man“ daran…
Ein Appell an dieser Stelle sei mir erlaubt: Der Fördergeber erwartet grundsätzlich von jedem Förderempfänger (also Ihnen allen), dass dieser „seine Hausaufgaben“ macht, also z.B. alle Flurstücke korrekt angegeben hat, oder auch die Angaben zum Mitglied korrekt sind. Also überprüfen Sie bitte Ihre Daten und melden Sie jede Änderung bitte unverzüglich der Geschäftsstelle, damit Ihnen auch „Ihre“ Förderung zukommen kann!
Weiter möchte ich hierzu nicht ins Detail gehen, ich gehe davon aus, dass Ihr erster Vorsitzender und auch Ihr Geschäftsführer Ihnen hierzu ausführlich berichten werden. Natürlich stehe ich für jede Rückfrage/jeden Erläuterungswunsch zur Verfügung!
Und nun möchte ich mit einem persönlichen Wort schließen:
Ich freue mich auch unter den neuen Rahmenbedingungen auf unsere weitere gute Zusammenarbeit!
Herzlichst
Ihr Förster Thomas Jansen
Sprockhövel, den 26.08.2022
FA Thomas Jansen, FBB Hattingen
Anlage: Zahlenspiegel zum Arbeitsbericht
Zahlenspiegel zum Arbeitsbericht
Forstbetriebsbezirk Hattingen
Berichtszeitraum : FWJ 2021
2021 in Schlagzeilen
- Borkenkäfer frisst weiter, Markt erholt sich
- Buche überholt Fichte an Schadholz (inzwischen geschätzt im gesamten FBB 40.000 fm!)
- Optimale Bedingungen für Pflanzungen, guter Anwuchserfolg
- Sehr intensive Vorbereitung Direkte Förderung für 2022
- Anlauf Forsteinrichtung
A: Holzeinschlag
Mit Unterstützung des FBB
ca. 5.600 Fm (4.300 fm Nadelholz, 1.300 fm Laubholz)
Brennholz, Holz für Eigenbedarf, ohne Unterstützung des FBB etc.
ca. 3.000 fm
Holzeinschlag gesamt ca. 8.600 fm
B: Pflanzung
Pflanzfläche: ca. 3,0 ha
Laubhölzer: 10.000
Nadelhölzer: 500
Sträucher/Waldrand: 850
C: Fördermittel Gesamt etwa 51.000 €
Aufarbeitungsbeihilfe: 38.400 € davon
-FBG Sammelanträge: 3 St/31.000 €
-Einzelanträge: 4 St. 7.400 €
Jungbestandspflege 1.800 € insgesamt 5,7 ha, 6 Flächen, 4 WB
Wiederaufforstung10.700 € (s.o.)
zur Jahreshauptversammlung am 03.08.2022
aufgestellt von FA Thomas Jansen, FBB Hattingen
Waldschonendes Rücken im Schulenberger Wald. Durch den Einsatz von Pferden sind Rückegassen von 40 Meter Abstand kein Problem. Somit vergrößert sich der nutzbare Waldboden um nahezu 5%.
Bei Interesse:
Thomas Jansen
Tel. 02324 935531
oder
Wolfgang Trilling
Tel. 02324 / 799 46
mailto:trilling@sirrenberg-ranch.de