Interview zu den Wäldern der Forstbetriebsgemeinschaft Hattingen-Sprockhövel
„Der Wald gehört zu den elementaren Quellen des Lebens“
EN-Kreis. Wenn es um unsere heimischen Wälder geht, ist seit einigen Jahren oft vom Klimawandel
die Rede, dem viele Bäume nicht standhalten. Doch der Wald kann auch anders. Wolfgang Trilling ist
Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Hattingen-Sprockhövel. Die WZ sprach mit dem 60-
Jährigen nicht nur darüber, inwieweit der Wald als problembelastet angesehen, sondern als
Bereicherung verstanden werden kann – und was Spaziergänger und Wanderer tun können, damit
das auch so bleibt.
Herr Trilling, in der Forstwirtschaft pflegen und nutzen Sie den Wald – unter anderem, um Holz zu
gewinnen. Wie stellt sich das Revier rund um Sprockhövel dar?
Wolfgang Trilling: Unsere Betriebsgemeinschaft hat 212 Mitglieder, die 1700 Hektar Fläche
bewirtschaften. Das sind also im Durschnitt acht Hektar pro Eigentümer. Wirtschaftlich ist es
eigentlich ein verrücktes Gebiet, weil man hier mit der Forstwirtschaft kaum Geld verdienen kann.
Um Holz zu gewinnen, müssen Sie Bäume fällen, aber aufgrund der Topographie bekommen Sie oft
keine großen Maschinen in die Wälder. Deshalb ist beim Fällen und beim Abtransport viel Handarbeit
erforderlich. Bis Sie hier eine vollständige Palette haben, dauert das ein bisschen. Das Meiste wird als
Brennholz verarbeitet.
Die Betriebsgemeinschaft ist für Hattingen, Sprockhövel, Bochum und Herne zuständig. Wie zeigt
sich die Situation der Wälder in Ihrem Bereich?
Trilling: Unser Baumbestand setzt sich vornehmlich aus Buchen, aber auch Fichten, Ahorn und Eichen
zusammen. Unser Bestreben ist, dass wir einen bunten Wald erhalten. Allerdings haben wir einen
überalterten Buchenbestand, der den Klimawandel nicht überleben wird. Und ich muss leider sagen:
Das wird in den nächsten Jahren noch viel schlimmer, auch durch die Grundwasserabsenkung, die vor
allem durch den wenigen Niederschlag entsteht. Dass der Klimawandel sich ausbreiten wird, hat man
uns schon prognostiziert, als ich studiert habe.
Viele nutzen die Wälder zur Naherholung. Das ist erwünscht, andererseits aber auch mit
Herausforderungen verbunden, zumal es sich überwiegend um Privatbesitz handelt.
Trilling: Wir pflegen unsere Wälder. Die Menschen, denen der Wald gehört, tun eine Menge dafür,
dass Spaziergänger und Wanderer ihn als Naherholungsgebiet nutzen, sich dort regenerieren und
auch sicher fühlen können. Was mir deshalb fehlt, ist der Respekt vor der Leistung der Waldbesitzer.
Es ist nicht selbstverständlich, dass sich jeder Besucher unbeschränkt im Wald aufhalten kann. Was
immer wieder verärgert, sind Leute, die ihre Hunde quer durch die Wälder laufen lassen, in den
Jungkulturen Äste abbrechen, die Müll liegen lassen oder sich darüber aufregen, wenn aufgrund
nötiger Forstarbeiten vorübergehend Wege gesperrt sind. Unabhängig davon, ob es die Elfringhauser
Schweiz, das Waldgebiet rund um das Bildungszentrum der IG Metall oder mein Quartierswald am
Gedulderweg ist.
Obwohl die Natur letztlich einen gemeinsamen Kosmos bildet, unterscheidet man zwischen Flora
und Fauna, Pflanzen- und Tierwelt. Wie ist denn die Tierwelt in Sprockhövels Wäldern aufgestellt?
Trilling: Die ist sehr vielfältig. Wir haben hier Rehe, Füchse, Marder, Eichhörnchen und sogar Dachse,
auch wenn man sie oft nicht sieht. Anders bei der Vogelwelt: Da können Sie den Rotmilan, Bussarde,
den Steinkauz, Habicht oder auch Sperber beobachten. Im östlichen Teil von Sprockhövel haben sich
außerdem Mufflons angesiedelt, das sind Wildschafe.
Sie sind als Gartenbauingenieur und Waldbesitzer in der Natur buchstäblich tief verwurzelt. Was
gibt Ihnen dieses Umfeld abseits der Forstwirtschaft?
Trilling: Ich bin schon als kleiner Junge im Wald gewesen. Der Wald ist das, was wir unseren Kindern
erhalten müssen, weil er zu den elementaren Quellen des Lebens gehört. Ich arbeite nirgendwo
lieber als im Wald, weil ich da meine Ruhe habe und erhole mich dort ungemein. Der Wald hat
aufgrund seiner mit viel Sauerstoff angereicherten Luft immer eine positive Wirkung.
Das Gespräch führte Martin Gehr
Positionspapier zur Bewältigung der Extremwetterfolgen
Der Ticker 03/2019 Wald in Not Carlowitzplan